Dein Freund ist krank!

Dieser Hilferuf aus dem Sonntagsevangelium kann schneller als erwartet auch für uns aktuell werden. Einander zu brauchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern in Gottes Schöpfungsordnung wohltuend eingerichtet. Wie reagieren wir?

Jesus eilt zu seinem Freund und kümmert sich um ihn. In Zeiten des Coronavirus werden mitmenschliche Kontakte immer wichtiger, sei’s in der Familie oder im Freundeskreis. Bei aller gebotenen Vorsicht in der direkten Begegnung.

Jesus hat seine Jünger Freunde genannt. Obwohl er weiß, dass sie schwach sind und Fehler machen. In seinem Reden und Tun hat er ihnen die Freundschaft vorgelebt bis zur letzten Konsequenz. Und er ermutigt sie: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ (Joh 15,12).

In der Frohbergkapelle bei Erolzheim wendet sich Jesus in einer beeindruckenden Figurengruppe aus der Spätgotik dem Apostel Jakobus zu. Man spürt förmlich, wie er ihm den Rücken stärken möchte auf seinem Weg zum Nächsten. Gilt das nicht auch uns, jeder und jedem Einzelnen?

Jesus legt seine Hand auf die Brust: Hand auf’s Herz – wie steht’s mit deinem Gottvertrauen und guten Willen? Fass auch du dir ein Herz und tu den ersten und auch den nächsten Schritt.

Jakobus zögert noch, er wirkt sehr nachdenk-lich. Doch der Wanderstab ist ihm schon in die Hand gegeben. Und ihm und uns gelten die Worte Jesu:

„Ich gehe mit dir deine Wege,
will dich führen durch alle Gefahren,
bei dir bleiben in all deinen Nöten,
dich halten und dich bewahren.“

(Ute Weiner)

 

Evangelium des 5. Fastensonntags: Joh 11, 1-45  Die Auferweckung des Lazarus

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr

Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?

Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und lass mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

Huub Oosterhuis / Übertragung: Lothar Zenetti
Gotteslob 422

Ich sehe was, was du nicht siehst

Sehen - ein Akt der Augen? Oder eine Leistung des Gehirns?
Oder gar eine Aufgabe des Herzens?
Es gibt verschiedene Arten, zu sehen. Oder zu über-sehen.
Sehen findet auf verschiedenen Ebenen statt. Zunächst brauchen wir natürlich unsere Augen, um Sinneseindrücke wahrzunehmen. Was wir dann sehen, wird jedoch stark davon beeinflusst, was an Vorwissen und Erfahrungen vorhanden ist. Insofern sehen Menschen auch mit dem Herzen; allerdings nicht immer mit dem gleichen Ergebnis wie Gott. Bewusstes Hinsehen lässt mehr erkennen und macht Dinge sichtbar, die auf den ersten Blick verborgen bleiben. Oft verändern neue Informationen oder Erfahrungen den Blick auf Bekanntes. Der Versuch, die Welt mit Gottes Augen, mit seinem wohlwollenden Blick zu sehen, lässt vieles in neuem Licht erscheinen.
 

Die Augen öffnen und sehen:

Die Menschen um uns
mit ihren Sorgen und Nöten
mit ihrer Angst und Ratlosigkeit.

Die Augen öffnen und sehen:

Die Quellen der Freude
die Zeichen der Hoffnung
den Anfang neuen Lebens.

Die Augen öffnen und sehen:

Wir sind nicht allein
Gott ist mit uns unterwegs
in unseren Brüdern und Schwestern.

Die Augen öffnen und sehen:

Das Licht unseres Lebens
die Freiheit der Herzen
die grenzenlose Liebe unseres Gottes.

Helene Renner

Zum Evangelium des 4. Fastensonntags: Johannes 9,1-41
(Kurzfassung 9,1-9.13-21.24-38) – Die Heilung des Blindgeborenen

Gebet zum Durchatmen

O Gott, es gibt vieles, das ich nicht weiß. Es gibt vieles, das ich nicht durchschaue.
Es gibt vieles, das ich nicht in der Hand habe.

Wenn ich mich ohnmächtig fühle, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen,
dass ich nicht das Ganze bewältigen muss, sondern das tun kann, was mein Part ist.

Wenn ich verunsichert bin, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen,
dass ich nicht alleine bin und dass unsere Weisheit gemeinsam reicher ist.

Wenn ich Angst habe, will ich einmal tief durchatmen und darauf vertrauen,
dass ich nicht aus Gottes Nähe herausfalle, sondern dass Gottes Geist mir nahe ist.

Was ich weiß, ist: Mein Leben und meine Liebe und meine Würde reichen so viel weiter als das, was ich leisten oder tun kann.

Was ich sehen kann, ist: Nach jedem Winter kommt der Frühling und
neues Leben wächst aus dem kalten Erdboden.

Was ich kann, ist tief durchatmen und dieser Welt Liebe einflößen, die sie so dringend braucht.

"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen." (1. Korinther 13,13)

Nicht vergessen: Für andere sorgen. Vorsicht walten lassen. Vertrauen stärken.
Den Glauben behalten!

Amen.

Gebet aus der United Church of Christ (Übersetzung)